Samstag, 29. September 2012

So fing ich mit dem Rebornen an.

Irgendwie bin ich ein bisschen sentimental in diesen Tagen. Vielleicht weil nun auch der letzte Sprössling das Haus verlässt .... der letzte ist eigentlich ja der erste  .... er ist mittlerweile 33 .... es wird Zeit...
Aber das tut ja nun nichts an dem Umstand, dass ich ein wenig nachdenklich bin und die Vergangenheit Revue passieren lasse.

In Sachen Rebornen fällt mir dazu ein .... ist da viel passiert in der Zeit, seit dem ich diese wunderschöne Hobby pflege.....

Mein erstes Reborn-Baby habe ich natürlich noch. Und es ist auch noch genau so, wie ich es gemacht habe. Ich will da nichts dran aktualisieren. Er soll so bleiben wie er ist, der kleine Moritz.


Genau wie viele andere Reborner und Reborn-Liebhaber bin ich durch eine Auktionsplattform auf diese Puppen aufmerksam geworden.
Es hat nicht allzu lange gedauert bis ich in meinem nahen Umfeld jemanden gefunden habe, der solch einen Kurs anbietet. Dieser Reborn-Kurs war damals mein „Urlaub“ und ich habe es nie bereut diesen Kurs gemacht zu haben. Auch wenn ich dort längst nicht das gelernt habe, was ich eigentlich lernen wollte. Aber er hat mich  auf den Weg gebracht.

Heute müssen Reborn-Babys weitaus höheren Standards erfüllen und weitaus kompliziertere Färbeverfahren durchmachen. 

Zu diesem Zeitpunkt aber wurden Reborns „geblusht“. Heißt, sie wurden mit Rouge-Farben abgetönt. Die Wangen und einige markante Stellen wurden getönt und die Fältchen etwas dunkler gefärbt. Die Innenfärbung war eine einfache lila-Färbung, die bei weichem Vinyl auch gern mal komplett nach außen drang, wenn man keine Weichmacher resistente Farben benutzte. Auf dem Foto hier ganz gut zu erkennen durch die dunklen Schatten in den Fingerfugen.        



Es gibt heute immer noch Puppenmacher, die ihre Puppen so herstellen. Das ist auch gut so, denn Liebhaber von Puppen sind ebenso unterschiedlich, wie das Angebot der Puppen.

Der Begriff Reborn ist hier vielleicht etwas irreführend. Wurden doch anfangs die Reborns mit allerlei abenteuerlichen Mitteln gefärbt, das Blushen war da ja schon sehr fortschrittlich. Denn diese Farben waren jetzt für die Puppen! Aber die Färbetechniken für die Reborns entwickelten sich rasant weiter und so gab es zu den erfolgreich angewandten durch Hitze trocknenden Genesis Farben bald Acryl- Farben, die für die Puppenkunst angewandt werden konnten. Einige sogar extra dafür entwickelt wurden.

Mit diesen Farben war es nun möglich eine vielschichtige Färbung, ein realistisches Hautbild zu gestalten. Hier waren und sind der künstlerischen Kreativität, sofern sie realistisch bleibt, kaum Grenzen gesetzt.

Eine Färbung nach den heutigen Standards ist immer vielschichtig. Das heißt, es werden mehrere Schichten unterschiedlicher Tönung der Farblasur aufgetragen. Hierbei werden Äderchen, Rötungen, Marmorierung, Schattierungen, etc mit unterschiedlichen Färbewerkzeugen gearbeitet. Jeder einzelne Reborner hat hier seine eigenen „Geheimnisse“.

Ein Blushing entspricht nicht mehr den heutigen Standards für ein Reborn-Baby. Eigentlich sollten sie die Bezeichnung Reborn-Baby nicht mehr führen. Aber das ist schwer durchzusetzen. Also muss man sich selber über aktuelle Entwicklungen auf dem Markt informieren, wenn man keine bösen Überraschungen erleben möchte.



Qualitativ hochwertig - zu damaligen Maßstäben

Wunderschöne Glasaugen hat mein Moritz schon damals bekommen. Plastikaugen kamen und kommen auch heute für mich nicht in Frage.

Die Brauen waren eine Herausforderung und ich habe unendlich lange daran gearbeitet. Aber sie sind natürlich für ein Reborn-Baby nach heutigen Anforderungen viel zu balkig. Keine natürliche Braue sieht so aus. Eben gemalt!

Die Nasengänge wurden einfach rund aufgebohrt und mit Filz hinterlegt. Heute öffne ich nur noch vereinzelt die Nasen, wenn die Nasenlöcher nicht so tief modelliert sind. Wenn ich öffne, dann feile ich die Öffnung nach, so dass es nicht einfach nur rund ist, sondern es einer natürlichen Öffnung entspricht.


Die Wimpern sind geklebt

Wimpernrooting gab es damals nicht. Wobei ich auch heute noch sage, lieber gut geklebt, als schlecht gerootet. Wer nicht rooten kann, der soll kleben. Wer es nicht mag, der soll auch kleben. Dagegen ist gar nichts einzuwenden.

Auch sehen manche Reborns mit geklebten Wimpern schöner aus. Manchmal lassen sich die Wimpern auch nicht rooten, weil die Lider so modelliert sind, dass es unmöglich ist, Wimpern so einzurooten, dass es natürlich wirkt.

Dann entweder überhaupt keine Wimpern (bei Reborns, die ein ganz junges Baby darstellen sollen ist das durchaus sinnvoll) oder eben kleben.

Und bei den Knoopsis, wie die Knoops- Puppen liebevoll in der Scene genannt werden, klebe ich auch heute noch lieber die Wimpern. ich finde, es passt einfach zu ihnen.



Rooting - was ist das?

Die Haare wurden mittels Tresse geklebt. Mein Moritz hat eine Rote bekommen. Deshalb heißt er auch Moritz. Oder hat er die Rote bekommen, weil er Moritz heißen sollte? Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall passt sie wunderbar zu ihm.

Ein Reborn-Baby nach heutigen Maßstäben hat gerootetes Haar. Das heißt, dass ein möglichst hochwertiges Mohair in die Vinylköpfchen mittels einer (Filz)Nadel eingebracht wird. Eine Filznadel ist es natürlich nicht, die wären viel zu grob für diesen Vorgang. Aber vom Prinzip her kann man sich diese Nadeln so vorstellen. 
Heute werden möglichst wenige Haare pro Einstich genommen. Viele Reborner beherrschen das Micro-Rooting. Hierbei werden bis zu 3 Haare eingestochen. Einige Reborner beherrschen das weitaus zeitaufwändigere Monorooting. Hier wird immer nur ein Haar pro Einstich aufgenommen und eingesetzt. Unheimlich zeitaufwändig aber auch unheimlich realistisch und einfach nur wunderschön im Ergebnis.

Ich selber kann es nicht. Aber Microrooting, das krieg ich hin. Nur mein Moritz wird seine Tresse behalten. Er ist so wie er ist entstanden und wird auch so bleiben.



Bei den Nägelchen wurde auch damals schon sehr viel Wert auf Natürlichkeit und Sorgfalt gelegt. So süß wie der kleine Kerl ist, aber er ist nach den heutigen Maßstäben kein Reborn nach Qualitätsstandards mehr. Er ist eine hübsche Baby-Puppe, die ich auf keine Fall abgeben oder verändern würde. Er darf bleiben wie er ist.

So fing es an

1 Kommentar:

  1. Chapeau! Wunderbar verständlich geschrieben und bebildert!!!

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